Erinnerungsfetzen, vielleicht Trauer

Gute Erinnerungen, durcheinander, die ganze Zeit, nur kurz, ganz warm, auch wenn mir so kalt ist, seit gestern.
Das Klappern von Stricknadeln, Handcreme, in der grünen Dose, Kefir mit Strohhalm und Orangen in einer hässlichen Obstschale. Abendbrot auf dunklen Holzbrettchen, Teegläser mit Kräutertee.
Sofa und Sessel und Tisch, alles so ziemlich das Gegenteil meines Geschmacks, aber so sehr zuhause.
Wellensittiche, der Balkon mit Blick zum Spielplatz mit Sandkisten und Reifenschaukeln.
Einkaufen, ein Plus-Markt, der Schreibwarenhändler mit den schon beiseitegelegten Zeitschriften und Zeitungen, Nylon-Einkaufsnetze, TicTac orange und ein Spiel, ein Ritual. Ich renne ein Haus vor: „Bin schon da!“ und immer die Antwort: „Ich nicht!“.
Das Telefon mit Wählscheibe und einer Liste der wichtigsten Nummern, Menthol-Inhalierstifte, für eine freie Nase. Kölnisch Wasser. 4711.

Trinktütchen, auch orange, ganz unten im Schrank hinter der Tür, Milcheis in der untersten Schublade der Gefriertruhe und die „Schatztruhe“, eine sehr alte Lebkuchenblechkiste, immer gefüllt mit Überraschungseiern und Chips.
Fische. Zeitungen. Fußball und Musikantenstadl. Bläck Fööß, natürlich mit Tommy Engel.
Das weichste, kuscheligste Bett der Welt, mit 100 Kissen und einer Wärmflasche unter der Decke. Der Plattenspieler neben dem Bett, Peter Alexander.
Ein Barschrank, überquellend voll mit Lustigen Taschenbüchern. Mein Barbiehaus.
Keine Zentralheizung, Kachelöfen, immer Briketts im Keller.
Der lange, lange Nähtisch, Stecknadeln mit perlmuttfarbenen Köpfen, Maßbänder, Schneiderkreide.
Vor allem und immer: da sein können, hinkommen können, sein dürfen, wie ich eben bin, immer einfach richtig sein. Das ist das Gegenteil von selbstverständlich.
Das meiste ist längst nicht mehr da, die Wohnung nicht, ein Kind bin ich auch nicht mehr. Aber der Mensch hinter alledem, da Herz: immer da, auf einen Kaffee, ein Wort, ein Schokolädchen. Zu dem ich flüchten kann, wenn die anderen zu viel oder zu wenig sind.
Einfach da sein, da sitzen, plappern – das kann ich gut. Wenn ich zu viel Quatsch erzähle oder meine Witze zu schlecht werden: „Du bes en Böngsche!“

Zu viele Bilder und Gedanken, viel zu wenig Worte.
Ganz viel Liebe und Dankbarkeit.
Aber niemand wird mir je wieder „Schick dich!“ zum Abschied hinterherrufen. Ich weiß noch nicht, wie das gehen soll.

Bloggen, ich versuche das noch mal

Eigentlich war das alles wieder ganz schön anders gedacht.
Eigentlich wollte ich den November, mal wieder, zum viel mehr bloggen benutzen.
Eigentlich meinte ich das mit dem „mal raus müssen“ aus dem Alltag und dem allem anders, als fast eine Woche im Kinderkrankenhaus zu verbringen.
Eigentlich ist das alles gar nicht so wichtig.
Denn die Ausrede, dass der November ja jetzt auch schon fast eine Woche alt ist und es so ja gar keinen Zweck mehr hat… die ist doch nur eine Ausrede. Ich mache mir nichts vor, täglich zu bloggen, wie ich mir nun schon zweimal vorgenommen hatte, wird wohl auch in diesem Jahr nicht funktionieren. Aber hier überhaupt wieder schreiben, das will ich. Und täglich will ich zumindest wieder als Ziel anpeilen, tief stapeln nutzt ja auch nicht. Ideen habe ich einige, Motivation auch, mehr Zeit sonst auch nicht wirklich, jetzt fehlt nur noch wirklich etwas draus zu machen.
Vermutlich werde ich hier ein wenig aufräumen und neu sortieren, das Blog fühlt sich längst nicht mehr zuhause an und ich hatte zwischenzeitlich überlegt mal wieder ganz woanders von vorne zu beginnen. Aber vielleicht lebe ich mich auch bald wieder ein.
Und wenn nicht, ist das wohl auch eine Erkenntnis, aus der ich etwas machen kann.
Ich fange dann mal an.