Das Frühstück mit der Maus

Wir haben Rituale in dieser Familie. Und manchmal recht starre Strukturen, die, wenn sie fehlen alles durcheinander bringen. Aber ein Ritual ist ganz wichtig und wirft die ein oder andere der Regeln einfach über den Haufen.

Sonntags frühstücken wir spät. Und in meinem Bett. Und dazu läuft der Fernseher.

Das Kind geht Brötchen holen, ich mache derweil Kaffee, Tee, Kakao oder was sonst  so getrunken wird und pünktlich um 11:30 wird das Bett vollgekrümelt, während Maus und Elefant kleine Probleme mit kleinen Tricks lösen. Wer hier Sonntags zwischen halb zwölf und zwölf anruft (oder ab 20:15 *hust*) riskiert unhöfliche Reaktionen. Die Sendung mit der Maus ist heilig.

Es gab Phasen in denen ich die Maus gucken wollte und das Kind mitmachen musste, jetzt saugt er gespannt und konzentriert jede Minute auf. Ich mag das Konzept der sich abwechselnden Lach- und Sachgeschichten, oft aber auch die Themenmaus, in der ein einzelner, langer, oft spannender Beitrage von Maus und Elefant unterbrochen wird.

Mein Favorit der letzten Jahre war die äußerst berührende Maus zum Tod am Totensonntag 2012. Das sah ich zum ersten Mal, dass die Kinder gewarnt wurden, diese Sendung doch nicht alleine und lieber mit eine_r_m Erwachsenen zu schauen. Ein Rat, den ich auch für Erwachsene angemessen fand. In dieser Folge erfand Armin einen Zwillingsbruder, der gestorben war und illustrierte entwaffnend realistisch, was dann geschieht. Und immer, wenn es besonders schwer zu werden drohte, kam ein kleiner Clip von Maus und Elefant.

Ich mag Armin, Christoph und (genau wie das Kind) besonders Ralph. (Nicht immer ganz so glücklich bin ich mit seiner Pubertätsreihe „Du bist kein Werwolf“ Aber dazu mehr an anderer Stelle). Der moderiert dazu noch das wunderbare Wissen macht Ah! für etwas ältere Kinder – und Klugscheißer jeden Alters – mit der großartigen(!) Shary Reeves.

An der Maus mag ich auch die äußerst sympathischen, unaufgeregten Zugänge auch komplexe Dinge einfach zu erklären. Ich liebe das einfache erklären. Sehr.

Ich bin da nicht die Einzige, die Maus wird zu einem sehr großen Teil von Erwachsenen gesehen. Von Eltern und Großeltern und anderen Bezugspersonen, die die Sendung mit Kindern schauen, aber auch von solchen, die, als die Kinder groß wurden, nie damit aufhörten oder ehemaligen Kindern, die nach einigen Jahren wieder beginnen zu schauen.

Einerseits ist es eine große Freude, dass die Maus sich in all den Jahren seit der ersten Sendung 1971 nur zaghaft verändert hat. Christoph erklärte in einem Interview in der taz, dass der gemeine Maus-Zuschauer da auch sehr konservativ sei.

Zu bemängeln indes ist die mangende Diversität. Alle drei Moderatoren sind weiße Männer unterschiedlichen Alters und auch die Lachgeschichten präsentieren doch die immer wieder gleichen Familien.

Selbst dem Kind fiel auf, dass die „ganz normalen Kinder“ in der Ringelgasse 19 doch ziemlich gleich (und weiß) sind. Ist das das „normal“?  … nunja. Diversität sieht anders aus. Leider.

Denn sonst ist die Maus eine Sendung, für die ich mir einreden kann mit dem Rundfunkbeitrag ein Abo abgeschlossen zu haben.

Entuschuldigt mich jetzt, ich muss mein Bett frisch beziehen.

Veröffentlicht in Alles

2 Gedanken zu “Das Frühstück mit der Maus

  1. Wenn es mir sehr schlecht geht, und das passiert manchmal, und ich von H. verlange, mich nicht anzusprechen und keinesfalls zu versuchen mich irgendwie aufzumuntern oder abzulenken, weil es mich nichts anderes als aggressiv machen würde, dann kriegt er mich mit einem Trick:
    Er tut einfach das, was er gerade tut, aber er fängt an, exakt bei jedem Zwinkern mit seiner Zunge an seinem Gaumen dieses klackende Geräusch zu machen, dass die Maus macht, wenn sie zwinkert.
    Niemand kann dabei traurig bleiben.

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