Eins. Nur eins auf einmal.

Die Konzentration hüpft hin und her und bleibt nie an einem Ort. Ich fange mit einer Sache an und finde mich dann dabei wieder eine andere zu tun. Ich bin mit den Gedanken an drei fernen Orten und muss meine Gesprächsparterin bitten, nochmal zu wieder holen, was sier mir gerade erzählt hat. Meine Aufmerksamkeitsspanne reicht oft nicht von einem Tab zum nächsten.

Viele, die dies bei sich beobachten schieben das auf Twitter oder Smartphones, oder…
Ich glaube es ist oft dieser Drang alles auf einmal zu haben.
Ich will alles auf einmal. Aber ich weiß, dass ich das nur bekomme, wenn ich mit für jedes einzelne Zeit nehme, meine Aufmerksamkeit bündele.
Ich kann das, das weiß ich auch, ich habe sehr viel Erfahrung im fast zwanghaften durchlesen von 600-Seiten-Schinken. Ich kann längere Texte schreiben. kann Projekte planen und die Fäden in der Hand wie den Überblick halten, wenn ich neben dem Strang jeden Faden für sich betrachte und nicht alle nebeneinander.
Ich kann das.
Und es geht mit besser wenn ich mich einer Sache ganz und gar widme und ich denke damit bin ich nicht alleine.

Vor langer, sehr langer Zeit war ich Multitasking-Sarah, die Superheldin, die lebenswichtiges Staubsaugen, Kaffee kochen und ICQ-Unterhaltungen gleichzeitig schaffte. Oder so.
Irgendwann habe ich diese gefühlte Fähigkeit verloren, weil ich mich ständig überfordert habe. Heute kann ich vieles wieder. Aber ich will das nicht mehr. Ich bin oft angespannt genug, ich muss das nicht noch künstlich erhöhen.

Es haben sich wieder viele in meinem Umfeld Auszeiten genommen, in den letzten Wochen, oder strenge Regeln für ihre Twitter- bzw. Social-Media-Nutzung aufgestellt.
Ich brauche eine einzige, und die gilt für fast alles: Do one thing at a time.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Morgens muss ich ja schließlich wach werden, Kaffee trinken und das Kind in schulfertigen Zustand versetzen. GLEICHZEITIG!
Und ich bin sicher, dass ich auch zum Tatort twittern kann. Oder mich beim Essen unterhalten. Oder beim Schreiben Musik hören, manchmal.
Aber ich muss nicht nebenbei noch die gesamte Timeline lesen, telefonieren und essen. Zum Tatort.

Oft mache ich mir Pläne, was ich erledigen will und stelle dann Kurzzeitwecker um in der Zeit wirklich nichts anderes zu machen.
Es ist eine tolle Stütze um zu fokussieren.
Aber ich möchte nicht nur fokussiert sein, wenn ich etwas erledigen muss. Ich möchte möglichst immer ganz da sein.

Jemand mir Liebes schrieb mir genau das vor ein paar Tagen, ich sei immer so DA.
Darüber habe ich mich sehr gefreut. Denn das will ich sein.

Ich gebe mir jetzt wieder mehr Mühe.
(Natürlich gibt es da massenhaft Ratgeberliteratur und Tipps um supermegaeffizient zu sein. Ich will das gar nicht. Ich will nur das, wovon ich schrieb.)

7 Gedanken zu “Eins. Nur eins auf einmal.

  1. achja, das kenne ich auch zu genau. Und ich habe aber schon das Gefühl, dass es mit der ständigen Verfügbarkeit dieses Internets zusammenhing. Bevor ich Internet hatte, habe ich jeden Tag Bücher gelesen. Jetzt lese ich kaum noch, weil da immer die Laptop aufgeklappt steht. Ich fühle mich davon zerfressen. Nur langsam verstehe ich, wie viel Zeit diese konfuse Rumsurferei mir wegnimmt, die ich auch auf etwas anderes verwenden könnte.

    1. Oh ja, das ständig verfügbare gibt einer ja überhaupt erst die Möglichkeit, das Gefühl alles gleichzeitig haben zu können. Aber es stimmt eben nicht.
      Mir geht das ja genauso.
      Die Ironie ist ein bisschen, dass ich mir lange Zeit einen Haufen Dinge, die Zeit fressen mehr oder weniger verboten habe, nicht bewusst, aber irgendwie doch. ich habe keine Serien mehr geschaut, nicht gespielt, gar nichts. Denn: Wie viel sinnvoller ich die Zeit nutzen könnte!!
      Tue ich aber gar nicht. Konfuses Rumsurfen trifft es ziemlich gut.
      Ich mag das nicht mehr. Ich möchte Bücher mindestens kapitelweise, nicht mehr (ab)satzweise lesen. Und auch beim Surfen: ganze Texte, am Stück. Kommentare (wie diesen) schreiben ohne dabei 3 mal Twitter zu checken und noch 3 Tabs zu öffnen, weil mir da schnell noch etwas eingefallen ist.
      Überhaupt wieder mehr Kommentare schreiben.

      Ich glaube ganz fest daran, dass das geht, ohne mich ernsthaft einzuschränken. Ich versuche das jetzt mal.

  2. Ich habe Veranlassung zu glauben, dass es bei mir auch etwas mit zwei sehr gegensätzlichen Gefühlen zu tun hat: ich bekomme von Menschen schnell zu viel, aber wenn ich mich zu Hause einbuddele, fühle ich mich einsam. Um das Gefühl dann wiederum zu verdrängen, bleibe ich quasi zwanghaft online. Meinen Computer habe ich das letzte Mal ausgeschaltet, weil ich ein neues Betriebssystem aufgespielt habe. Naja, ausschalten kann man das ja schon gar nicht nennen, war ein Neustart🙂

    Es fällt mir schwer mich selbst zu ertragen, wenn ich mir Zeit mit mir gebe. Weil ich schon wieder so viele Dinge versäumt habe, zum Beispiel, die ich aber nicht versäumen würde, wenn ich nicht immer vor diesem Bildschirm hängen würde…

  3. Danke, Sarah. Danke, Marie. Ich fühle mich sehr verstanden. (Und ein bisschen wie nach einem Fress-Flash bei McDonalds, den ich ohne diesen Text gar nicht als solchen begriffen hätte.)

  4. Pingback: Word up!

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