#Musik12

Ich habe noch den unfertigen Blogpost vom letzten Jahr in meinem Entwurfsordner liegen. Auch dieses Jahr ist schwierig.
Eigentlich ein unglaublich gutes Jahr, musikalisch.
Großartige Neuerscheinungen, Neuentdeckungen, wunderbare Alben, Songs, Alles.
Aber gleichzeitig ist nur sehr wenig davon wirklich an mich herangekommen, weil ich immer immer immer nur das gleiche gehört habe.
Nach langem hin und herüberlegen jetzt also: das was mich berührt hat, dieses Jahr. Das müssen nicht zwingend die besten Platten sein und weil viel zu viel Tolles dabei herausfällt, gibt es das ein oder Andere noch unkommentiert dazu. Jahres“charts“ müsst ihr woanders suchen.

Ich kann das nicht werten, deswegen: chronologisch.

Tua – Raus

Das Jahr beginnt mit einem Knall. 13. Januar, bäm: Raus.
Noch völlig hingerissen von Maeckes‘ Manx Ep aus dem November 2011 und dem wunderbaren Niemandsland mit Tua-Feature, bin ich ganz besonders gespannt auf Tuas neues Soloding und: wow.
Diese Platte hat mein Jahr geprägt. Dunkel, trotzig, keine Fröhlichkeit, kaum Farben, aber dabei gar nicht negativ oder traurig.
Kopfhörer, Kapuze, Raus auf den Ohren, durch die Straßen laufen, weit weg – raus – wünschen. Wieder und wieder.
Mein Verhälnis zu elektronischer Musik ist gespalten, ah was, eher ziemlich schlecht, gerade Dubstep: ach nee. Dass ausgerechnet ein Elektrogefrickel-Dubstep-Poststep-Produktionsmonster mein ständiger Begleiter 2012 wird, fasziniert mich.

Auf den ersten Blick teils fast unhörbarer Krach, Propeller im Kopf, teils zarte, traumartige Klänge, aber der Traum droht immer Alb zu werden, spätestens bei Vadata ist er es, Paranoia.
Tua ist zweifellos ein großartiger Rapper, aber wenn er nach Raus immer noch erklären muss, was er noch alles ist (z.B. Sänger, in erster Linie aber Produzent),  dann ist irgendwas deutlich falsch.

Die Orsons – Jetzt EP

Schon wieder eine EP.  Nach Manx und Raus kommt nun im März die Dritte auf dem Weg zum großen Orsons-Album, an dem die Herren Tua, Maeckes, Plan B und Kaas seit einer gefühlten Ewigkeit arbeiten. Neben Chimperator ist zum ersten Mal mit Universal Pop auch ein Majorlabel beteiligt. Die Erwartungen sind riesig und werden im Frühjahr durch die Jetzt EP, die dem Juice Magazine beiliegt, nur noch weiter angeheizt. Nach den bisherigen doch sehr albernen und poppigen Releases als Orsons, ist es eine fette Rap-Sammlung, voll Spaß, dicken Beats, Angriffslust und Selbstironie. Außerdem, was man bei all dem Spaß so oft vergisst: die können halt einfach rappen. (Okay, über Kaas kann man nochmal reden, aber… selbst er klingt auf Jump! richtig gut)

Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra – Theater is Evil

Das gelungene Crowdfunding-Experiment. Viel wurde geschrieben über AFP, die sich von ihrer Plattenfirma losgesagt und das Geld für dieses Album über Kickstarter von den Fans eingesammelt hat. 1,2 Millionnen Dollar hatte sie so zur Verfügung um mit ihrer Band, den Grand Theft Orchestra, ein fulminantes, prächtiges Stück Musik herauszubringen und weltweit auf Tour zu gehen.
Ich hab mein Herz schon lange an sie verloren, egal was sie getan hat, ob mit den Dresden Dolls, Evelyn Evelyn oder ihrem Solo-Debut „Who killed Amanda Palmer“, ich feiere das alles. Wieder und wieder und wieder. Ich habe einen Riesengroßen Koffer voll mit Erinnerungen, die mit ihrer Musik vebunden sind. Wegen ihres Covers von Radioheads Creep habe ich angefangen Ukulele zu spielen.

Theatre is Evil ist genau das: großes Theater. Druckvoll und full of Drag, aber mit Raum für die ganz leisen Töne, wunderbaren Geschichten und einem etwas anderen Blickwinkel. Mal laut und mit Stromgitarren, mal so, wie sie immer am besten und persönlichsten ist, nur mit Piano. Die bisher erschienenen Videos  machen mir großen Spaß und Sie in Köln live gesehen zu haben, gehört ganz weit nach vorne zu den emotionalen Höhepunkten meines Jahres. Ein unglaubliches Konzert.

Die Orsons – Das Chaos und die Ordnung

Ende September, Endlich. Jaaa, ich weiß., das ist hier alles sehr orsonslastig. Aber ich bin einfach wirklich sehr begeistert. Das lang ersehnte (und offenbar hart erarbeitete)  Orsons-Major-Debut trägt sehr, sehr deutlich Tuas Handschrift und ist gleichzeitig der exakte Gegenpunkt zu Raus.
BUNT, laut, überdreht, anarchisch. Tolle Stimmung. vier sehr unterschiedliche und auf ihre sehr eigene Art wundervoll verdrehte Solokünstler, die zusammen etwas ganz eigenes schaffen.
Über die Single Horst und Monika, mit der sie auch beim Bundesvision Songcontest antraten (und 5. wurden) hülle ich hier lieber den Mantel des Schweigens.  Damit bekamen meine großen Erwartungen einen ganz ganz dicken Dämpfer.

Aber dann kam das nächste Vorabvideo und eine wunderhübsche CD in rosa, blau und grün und ich bin vollauf versöhnt. Tolle, innovatiove Popsongs, eine zwar wunderbar positive, dem Leben zugewandte Grundhaltung, aber immer mit Tiefe und einem Hauch Melancholie.  Dass das nicht völlig durch die Decke gegangen ist wundert mich immernoch.
Übrigens auch hier: tolle Liveshow, perfekt durchchoreografiert, mit Slapstick, Party, Schlagzeuger und wunderbaren Sängerinnen. Unbedingt hingehen.

Macklemore & Ryan Lewis – The Heist

Und noch mehr Hip Hop. Spät entdeckt und dafür Hals über Kopf verliebt. Und da bin ich anscheinend nicht die Einzige. Zuerst erwischte mich das wunderschöne Video zu Same Love, ein Song über Homosexualität, Bullying und Hip Hop, zu dessen Geschichte er hier ein wenig erzählt.
Kurz darauf brachte mich der eingängige Beat von Thrift Shop zum tanzen (das Saxophon die Trompete!!). Seit ein paar Wochen läuft es dann doch ständig hier. Trotz großer Vielfalt mit deutlichem roten Faden, tollen Features und Macklemores Stimme: ach, von ihm würde ich auch Hörbücher hören. (und nein, ich mag keine Hörbücher).

This is fuckin‘ awesome.

außerdem, mit Links zum ersten reinhören:

The Ting Tings – (Hang it up)
Bat for Lashes – The Haunted Man (Laura)
Kendrick Lamar – Good Kid, m.A.A.d. City (The Recipe)
The XX – Coexist (Chained)
Frank Ocean – Channel Orange (Thinking about you)

Außerdem außer Konkurrenz und nur, weil es mich bis zuletzt wieder und wieder zwischen Lachen, totalem Unverständnis und WTF schwanken lassen:
Haftbefehl – Kanakis (Lass rauchen) (Inhaltswarnung: Essenz von Streetrap.)

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Dieser Blogjahresenddingsfragebogen: 2012

Zugenommen oder abgenommen?
Käse. Also: zugenommen.

Haare länger oder kürzer?
Radikal kürzer. Sehr glücklich damit.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Keine Veränderungen. Sollte trotzdem mal wieder meine Brille anziehen.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Schwer zu sagen. So wenig wie möglich.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr, eindeutig mehr. Auch wenn es sich oft nicht so angefühlt hat.

Der hirnrissigste Plan?
Davon habe ich jeden Tag einen. Dieses Jahr war aber kein besonders hirnrissiger dabei, glaube ich.

Die gefährlichste Unternehmung?
Das mit der Ehrlichkeit und dem Vertrauen. Ich balanciere noch.

Der beste Sex?
Das wird wohl dieses eine Mal gewesen sein, nach dem auf seltsame Art alles anders war.

Die teuerste Anschaffung?
Wahrscheinlich der Schulranzen und all der Kram dazu.

Das leckerste Essen?
Bestimmt diese göttlichen Arepas heute. (Ich bin gerade sehr satt). Ich habe insgesamt schlechter gegessen als im letzten Jahr und oft wenig Nerv dafür. Ich hoffe, ich kann das wieder ändern.

Das beeindruckendste Buch?
Die Einsamkeit der Primzahlen hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich war gleich nach den ersten Sätzen heillos verloren, mit Tränen, Träumen, allem, was einem so ein Buch antun kann.

Der ergreifendste Film?
Verwirrt muss ich zugeben: Ich kann mich nicht erinnern.

Die beste CD?
Raus von Tua. Aus Gründen. Die habe ich mir sogar selber gekauft, als CD, unglaublich!

Das schönste Konzert?
Amanda Palmer im Luxor. Ich war sehr berührt. Und als Kontrapunkt nur wenige Tage später die Orsons im Gloria, allerbeste Unterhaltung. Ich kann mich nicht beschweren.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
… dem Kind, dem Computer und gleich darauf dem Fräulein Nö.

Die schönste Zeit verbracht damit…?
… mit dem Kind zu singen oder sonstwie zu musizieren, zu kuscheln und zu lesen.
… Musik und Filme zu diskutieren, zu feiern, in der Luft zu zerreißen.
… wichtige Gespräche zu führen, Dinge an- und auszusprechen oder einfach nur gemeinsam zu schweigen.

Vorherrschendes Gefühl 2012?
Überforderung

2012 zum ersten Mal getan?
Eine Abschlussarbeit fertig geschrieben.
Manches Losgelassen.
Manches zugelassen.

2012 nach langer Zeit wieder getan?
Nach beinahe 10 Jahren wieder ein Instrument spielen.
Nach mehr als 15 Jahren wieder mit einer Nähmaschine nähen.
Wie können denn Dinge so lange her sein?!

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
All die Überforderung
Bürokratiefoo und immer wieder lähmende Existenzangst
Diesen schrecklichen Hausumbau

Die wichtigste Sache, von der Dich jemanden überzeugen wollte?
Dass sie an mich glaubt. Dass ich Fehler machen darf.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Liebe, Support und Freundschaft, teilweisel punktuell und ganz intensiv, teilweise stetig und fest an meiner Seite, waren das mit Abstand wichtigste und beste, was ich habe. Ein Geschenk.
Sonst freue ich mich fürchterlich über eine Videokamera, und gerade heute erst eine Ukulele.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich kann das nicht gewichten. Und wenn ich es ausschreibe, liest es sich ohne Zusammenhang irgendwie creepy. Es ging immer um Zuneigung, Zusammengehörigkeitsgefühl, sowas.

2012 war mit einem Wort…?
Viel

Weihnachtsmusik, Anti-Edition

Alles Friede, Freude, Last Christmas.
Nein?

Hier meine Top 3 der Lieblingsweihnachtssongs, die von der anderen Seite an die Sache heran gehen.

Trotzdem:

Ich wünsche euch allen noch wunderschöne Tage.

3 – The Ramones – Merry Christmas (I don’t want to fight tonight)

Ramones. Streit. Nothing more to say.

The Ramones Merry Christmas (I Don't Want to Fight Tonight) von
(Grrr. Ich habe keine Lust weiter nach einem ungesperrten, einbettbaren Video zu schauen. Ihr wisst schon.)

2 – The Pogues – Fairytale of New York

Ich mag ja keinen Folkpunk. Ich bin die, die gelangweilt vor Flogging Molly steht und gähnt, während meine Freunde großen Spaß haben. Aber Weihnachten. The Pogues. Ach, wunderbar. Darauf 1 Whiskey. (Den mag ich doch auch nicht)

1 – The Hives & Cyndi Lauper – A Christmas Duel

Scheiß auf Harmonie, Streiten kann doch super sein.
Ich liebe Cyndi, zusammen mit The Hives und diesem wunderbar energiegeladenen Song: Perfekt. Ich freue mich jedes Jahr aufs neue, das wieder auspacken zu können.

2. Advent

Kein Glühwein, kein Weihnachtsmarkt, nicht der eine, spezielle auf dem Berg, gar keiner. Auch kein Nikolauskaffeetrinken bei Oma.
Stattdessen viel Ruhe, ein Spaziergang mit Schneeballschlacht und Kuchenbacken, einfach so, ohne Rezept, ein bisschen inspiriert vom Gott des Gemetzels, (die Birnen kleiner schneiden als die Äpfel!!) und mit Weihnachtsduft.
Nachmittags Fotos, erst ernst, dann albern, außerdem Gejammer wegen der unpraktischen Lichtverhältnisse. Zwischendurch immer wieder ein bisschen sauber Greifen üben, mit heißen Fingerkuppen.
Mit dem lieben Fotobesuch den Clafoutis essen.

Nur wenig kommunizieren, sonst, ganz eingeschränkt.
Ein bisschen Wehmut.
Auf die Rituale scheißen, stattdessen einfach genießen was jetzt ist. Schön.

2.advent

4 Saiten Punkrock?

Vor 10 Jahren habe ich zuletzt versucht ein Saiteninstrument zu spielen.
Ziemlich frustriert von der Unbeweglichkeit meiner Finger, die sich – aus Gründen – beim besten Willen nicht so spreizen lassen, wie sie das eigentlich sollten, habe ich dann nach etwas mehr als einem halben Jahr endgültig aufgegeben. Die Geschichte was dann aus meiner Gitarre wurde, erzähle ich vielleicht ein andermal… vor 1 Jahr ist dann eine neue bei uns eingezogen: eine halbe, auf dem das hiesige Kind mit Begeisterung spielt. Ein weiteres Jahr zuvor hatte es eine Ukulele von meinem Bruder geschenkt bekommen. Die hatte er sich vor Jahren gekauft, als dieses Instrument so wahnsinnig gehyped wurde und nachdem der Hype abgeflacht war, lag es nur noch in der Ecke herum – warum sollte sie sich also nicht als Spielzeug für das musikbegeisterte Kind eignen?

Er lies sich lange Zeit nicht davon abbringen es Gitarre zu nennen und bis vor ein paar Wochen wäre ich nicht auf die Idee gekommen, doch selber einmal auszuprobieren, ob das vielleicht besser hin haut. stattdessen versuchte ich es noch einmal mit der Gitarre, aber: nein. So wollte das alles irgendwie nicht funktionieren.

Vor ein paar Wochen dann fing irgendeine in meiner Twittertimeline an, Ukulele zu spielen, Ich habe heute versucht herauszufinden, wer das war, aber es ist mir bisher nicht gelungen.

Aber spätestens als Amanda Palmer auf der Theke im Luxor saß und  Creep spielte, dachte ich mir, dass das doch irgendwie gehen muss. Vielleicht. Ein kleines bisschen. Natürlich habe ich trotzdem noch einen Monat gebraucht um es endlich auszuprobieren, aber: heute Abend sitze ich hier und tippe mit schmerzenden Fingerkuppen, weil ich nach stundenlangen Stimmsessions (neeein, eine alte, als Spielzeug missbrauchte Billig-Ukulele ist nicht so richtig überzeugend) immerhin zwei Akkorde geübt habe. Und das immer noch tue, sobald ich zwischendurch ein bisschen was anderes spüre als Schmerzen. Zwei Akkorde sind ein guter Anfang, und alles was über drei hinausgeht ist doch ohnehin Nazimusik!

Den Rest erzählt euch AFP im Video oben.

Amanda Palmer, Touren und Freundschaft

Amanda Palmer hat alle Tourtermine für das nächste Jahr gestrichen.

Vor wenigen Wochen habe ich sie in Köln gesehen, im völlig überfüllten, heißen Luxor. Sie war krank, merklich, angegriffen krank, und hatte kaum Stimme. Es war vollkommen egal, sie stand auf der Bühne und hat uns eine Show vor die Füße geworfen, bei der ich manchmal nicht mehr wusste wo oben oder unten ist (Girl Anachronism), mich manchmal kaum traute zu atmen (Seeräuber Jenny) und bei der mir irgendwann einfach die Tränen übers Gesicht liefen (Trout Heart Replica). Es ging ihr absolut nicht gut und sie hat uns dieses Geschenk gemacht, trotzdem nicht nur irgendeine Show abzuliefern, sondern ganz da zu sein.

Aber ihr bester Freund ist krank, anders krank, schlimm krank. Anthony hat Krebs und gerade beginnt seine Behandlung. Was machen Freunde dann? Um die Welt reisen und Konzerte spielen, oder da sein?

Natürlich. Die Antwort ist ziemlich klar.

Heute hat sie einen weiteren Text geschrieben, bei dem ich weinen musste. Ich hätte mich sehr gefreut, sie im März wieder in Köln zu sehen. Ich freue mich noch mehr, dass sie diese Entscheidung getroffen hat.

Vielleicht mögt ihr den Text auch lesen. Ich empfehle ihn sehr.

cancer. canceling. postponing. waiting. growing.