Herbst.

Da ist er, lange angekündigt und dann doch wie aus dem Nichts. Das Licht, ich liebe dieses wunderbare Licht, das ich nicht beschreiben kann, ohne pathetisch und kitschig zu klingen und ohne abgenutzte, 1000 mal gebrauchte Wörter zu wählen. Es ist golden und warm, weichzeichnend und irgendwie liebevoll, auf jeden Fall im krassen Gegensatz zu der Luft. Die ist genauso wunderbar, aber schneidend und kalt.
Ich bin immer verwundert, was dieser Herbsteinbruch mit mir macht, jedes Jahr in ich neu überrascht. Müde werde ich, aber die Müdigkeit schiebt man ja irgendwie immer auf Wetter und Jahreszeit. Diese Müdigkeit verändert sich. Sie ist schwerer und vor allem morgens da. Die Melancholie kommt. Nicht die grauschwarze Novemberkälte und nicht das zarte Sehnen anderer Tage. Es ist dieses Lächeln unter Tränen, mit Gänsehaut im Gesicht.
Erinmerungen und mehr noch die Erinnerung an Gefühltes, nicht an Menschen, Dinge, Situationen.
Trotz der Müdigkeit bin ich insgesamt wacher, aufmerksamer.
Das Kind zeigt Erschöpfungssymptome. Noch vor dem Herbst kam der Schulanfang. Bald aber sind Ferien.
Es ist Zeit für Spaziergänge. Noch verweigere ich mich dem Wald, ich mag die Sonne nutzen und nicht den letzten hellen Strahlen entfliehen.

Es ist nicht einmal Oktober, aber Kastanien sind schwer zu finden, alle aufgesammelt, so schnell. Bald finde ich hoffentlich Maronen. Ich kann den Duft schon  riechen. Und sehe vor mir, wie das Kind es ganz toll findet und sie dann doch verschmäht.
Zeit für Kürbissuppe und Pflaumenkuchen, süße Zwetschgen, dazu Wut und Frustration weggeschlagen, hinein in den Hefeteig, der besser wird, je genervter ich bin.
Auch die Friedhöfe gehören dazu. Ich kann sie nicht regelmäßig besuchen, das geht einfach nicht. Aber dann jetzt: doch.

Der geliebte abendliche Kräutertee. Mehr noch Pfefferminztee und Zigaretten. Nur eine Erinnerung, kein Ritual mehr.
Decke, Buch, Körnerkissen.
Ja.
Es ist Herbst.

Aktion Bücherreise – Kristina und ich.

Dieser Blogpost ist Teil der Aktion Bücherreise. Wir lesen das Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber“ von Kristina Schröder, ohne es zu kaufen.

Zuerst muss ich mich entschuldigen: vielleicht war es nicht so wahnsinnig gut gewählt, dass das Buch die erste (bzw. zweite) Station seiner Reise bei mir macht, wenn ich doch noch soviel anderes zu tun hatte. Mein Studium abzuschließen zum Beispiel. Zwischendurch habe ich es sogar vergessen. Aber in den letzten Tagen beschäftigt mich dann doch wieder, was mich schon beim ersten Anlesen des Buches dazu brachte kurz aufhören zu müssen und mir Bauchschmerzen bereitete.

Das war nicht der Bullshit, den ich wie erwartet vorgefunden habe, sondern, dass sie Dinge beschreibt, die ich wiederholt genau so erlebt habe und erlebe. Dass sie daraus völlig andere Schlüsse zieht als ich (und die ich bei genauerer Betrachtung rein gar nicht haltbar finde) ist zum Glück auch klar.
Aber es war doch anstrengender für mich als ich dachte, und führte dazu, dass ich das Buch zu meiner Überraschung eben nicht einfach nebenbei lesen und mich ein bisschen ärgern konnte.

Letztendlich brachte diese unangenehme Situation – lesend, in der Bahn, mit aufsteigender Übelkeit – mich dazu, das Vorgehen zu überdenken. Nachdem ich es jetzt monatelang heraus geschoben habe, nun endlich der Startpunkt, mit meiner Idee.

Wie schon bei den Lesen&Bloggen-Aktionen der Freitag-Community möchte ich das Buch nicht einfach nur lesen und weitergeben, erst recht nicht rezensieren oder kommentieren, das ist nun wirklich oft genug geschehe. sondern ein bisschen von mir ausgehen und erzählen, was mir beim Lesen so durch den Kopf geht. Das kann von einem „alles doof, keinen Bock“ bis hin zu ein paar wirklich persönlichen Gedanken gehen. Ich hoffe, das wird nicht allzu lange dauern und ich bin schnell durch. Dann schicke ich das Buch weiter.

Den Entwurf zum ersten Text habe ich – wie ich gerade nachschaute – schon im Juni angelegt, jetzt muss ich den also nur noch (haha) mit Inhalt füllen und dann geht es los. Ich bin gespannt, wer noch?